Heilsamer Kaffee – die 4 Prinzipien der Kogi

Máma José Gabriel steht noch früher auf an diesem Morgen und geht im Dunkeln zum nahen Fluss für ein schnelles Bad im kalten Wasser. Dann packt er zwei Sisaltaschen, die ihm seine Frau gefertigt hat. Ein weißes Oberteil, eine weiße Hose, zwei Unterhosen, Seife und Zahnbürste. In die andere Tasche packt er seine rituellen Dinge wie den Poporro, Kokablätter, Baumwolle, kleine Perlen und Bänder. Der 76-jährige Máma José Gabriel ist Priester, Weiser und Schamane der Kogi-Indianer. Er wurde auserwählt, den Kontakt zu den Kleinen Brüdern aufzubauen.

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Heute wird er zunächst ein paar Stunden quer durch den Dschungel entlang des Flusses Guatapuri zum nächsten Außenposten der Zivilisation laufen, dort ein Allradtaxi nehmen und anschließend mit dem Kleinbus nach Valedupar, der Heimat der berühmten kolumbianischen Akkordeonmusik, fahren. Zehn Stunden dauert die abschließende Fahrt im klimatisierten Linienbus nach Santa Marta, wo Jorge Mario bereits auf ihn wartet. Am nächsten Tag fliegen die beiden nachmittags nach Bogota und von dort weiter nach Frankfurt.

In Frankfurt wird er von mir, Oliver Driver, bereits erwartet. Ein kleiner, verschlafener Mann mit drolliger Strickmütze, ganz in weiß gekleidet, der nur Latschen trägt, und sein Begleiter kommen im kalten deutschen Winter zögernd aus der Zollabfertigung. Sie sind hier als Botschafter ihres Volkes und insbesondere in ihrer Funktion als Hüter der Erde. Doch als erstes kaufen wir Schuhe und warme Unterwäsche.

Einen Monat zuvor war ich in San José, dem Dorf, in dem Máma José Gabriel lebt, und habe ihn besucht.  Die Kogi sind eines der letzten Völker dieser Erde, das sich seine ursprüngliche Kultur erhalten konnte, indem sie sich auch heute noch radikal nach außen abschotten. Sie selbst bezeichnen sich als die Älteren Brüder. Alle anderen Menschen sind die Kleinen Brüder, die vor langer Zeit das Land der Kogi über das große Wasser verlassen haben.

Alles Leben entstand in der Sierra Nevada de Santa Marta, diesem höchsten Küstengebirge der Erde, wo karibische Strände und tropisch-feuchter Dschungel auf Wüste, Nebelwald und schneebedeckte Berge treffen. Noch heute sehen sich die Kogi als Hüter der Erde.

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Eine Kette von Zufällen hat dazu geführt, dass ich die Kogi kennenlernte und von Ihnen eingeladen wurde. Ihre Botschaft und Bitte ist:

„Wir sind da, um dieses Gebirge zu beschützen, denn so beschützen wir die Erde und die Welt. Alle Gebirge liegen im Sterben, denn der Kleine Bruder zerstört sie, indem er Kohle und Öl daraus hervorholt und die Erde überwärmt. Wir sind dafür nicht verantwortlich, aber wir leiden darunter. Wir sind die Großen Brüder, es liegt in unserer Verantwortung, über die Erde und die Welt zu wachen. Wir müssen das Gleichgewicht bewahren, und wir führen dafür die ganze spirituelle und geistige Arbeit aus. Wir sind traurig zu sehen, dass nicht alle Menschengruppen das tun, was sie tun sollten, um die Erde zu achten. Wir brauchen den Kleinen Bruder, damit er uns hilft. Ihr müsst die Erde und die Welt verstehen lernen. Der Kleine Bruder muss uns helfen, unsere Erde wieder zurückzuerhalten. Helft uns, das Herz der Welt zu schützen!“

Der Rat der Kogi wählte mich aus, um ihre Botschaft in Deutschland zu verkünden. Kalashe, der Gott des Waldes und der Bäume, hatte ihnen vor Jahren in einer Botschaft mitgeteilt, dass die Kaffeepflanze etwas Besonderes sei. Kaffeebohnen reisen um die ganze Welt. Guter Kaffee spricht zu den Menschen, die besten Kaffees machen Ihre Herkunftsgebiete bekannt – und werden teuer bezahlt. Und so begannen die Kogi den vielleicht nachhaltigsten Kaffee der Welt anzubauen. Kaffee, der ihre Botschaft transportieren soll.

Dieser Kaffee wird von Fachleuten bereits für seinen hervorragenden Geschmack gelobt, hat Bio-Qualität, ist fair gehandelt und wird nachhaltig ohne Zwischenhändler importiert und verarbeitet. Übrigens verzichten die Kogi sehr selbstbewusst auf Bio- und Ökosiegel. Sie fragen: „Warum sollten wir uns von denen, die die Erde so schädigen, zeigen lassen, wie man mit der Natur umgeht? Wofür brauchen wir Checklisten und Prüfer?“

Als Symbol für die Zusammenarbeit der älteren Brüder mit uns soll er ein Bindeglied zwischen den Völkern sein. Er steht für Gemeinschaft und Balance, er erinnert uns daran, dass wir alle für das Gleichgewicht der Erde verantwortlich sind, ein Kaffee, der verbindet.

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Die Kogi haben vier Prinzipien definiert, die dem Anbau von Kaffee zugrunde liegen.

1.    Die Varietät
Als die Kogi beschlossen, den auf ihrem Land seit 50 Jahren wachsenden Kaffee zu ernten und zu verkaufen, kamen schnell Berater, die ihnen andere Pflanzen, bessere Züchtungen etc. verkaufen wollten. Sie bleiben bei den Varietäten, die seit vielen Jahren bereits in der Sierra wachsen.

2.    Biologischer Anbau
Die Kogi verzichten auf jede Art von Schädlingsbekämpfung und Dünger. Krankheiten und Schädlinge sind für sie Zeichen dafür, dass ein Ungleichgewicht in der Natur entstanden ist, so dass die Natur eine Lösung dafür sucht. Es wird nicht gedüngt, auch nicht mit organischem Material wie Abfällen, Humus o.ä. Der Kaffee wächst im Wald zwischen anderen Bäumen und Nutzpflanzen. Es wird darauf geachtet, dass die Pflanzen nicht näher als 2 x 2 Meter wachsen, ansonsten wird so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen.

3.    Die Produktionskette
Von der Auswahl der Pflanzen bis zum Vertrieb wollen die Kogi die gesamte Produktionskette in ihrer Hand haben. Sie wollen nicht das Maximum an Kaffee verkaufen, sondern sie wollen mit festen Partnern ein langfristiges Ziel erreichen. Die URWALDKAFFEE GmbH wurde von mir, nachdem ich mit den Kogi eine Partnerschaft für den deutschen Markt vereinbart hatte, gegründet. Ziel ist es, dass auch die Kogi hier Gesellschafter werden. Insofern suchen wir keine Käufer für einen weiteren hochwertigen Kaffee, sondern Partner.

4.    Spiritualität
Der Kaffee wurde den Kogi von Kalashe geschenkt. Jede Bohne soll zu uns Kaffeetrinkern sprechen und die Botschaft der Kogi überbringen. Im Anbau wird entsprechend der Kultur der Kogi viel mit Gebeten und Opfern gearbeitet. Eine Krankheit der Pflanzen ist Zeichen eines Ungleichgewichts in der Natur. Zum Ausgleich wird ein Ritual begangen. Das Ergebnis gibt ihnen Recht, die Früchte sind strahlend rot, sehen sehr gesund aus und ergeben eine hervorragende Rohkaffeequalität.
Und so reiste Máma José Gabriel kreuz und quer durch Deutschland, traf auf viele Menschen die ihn verstanden, knüpfte Freundschaften und war sich sicher, dass sein Auftrag erfolgreich war. Die Kogi werden mit ihren Einnahmen ihre alten heiligen Stätten, die ihnen geraubt oder enteignet wurden, zurückkaufen. Und dort werden sie heilende Rituale für Mutter Erde begehen, um uns, den kleinen Brüdern, zu helfen.

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