Erst mal ankommen – Kolumbien Teil 4

Es ist zu einem Ritual geworden, dass ich die erste Nacht in Bogotá verbringe und nicht abends noch zum Flieger nach Santa Marta hetze. Ich strolle dann ein wenig um das Hotel herum, suche mir arepas, die gefüllten Teigtaschen, und ein Bier. Der Ruf Bogotás ist wahrscheinlich schlechter als die Realität, aber immer ist mir da abends im Dunkeln eine gewisse Vorsicht zu eigen… Das rührt auch daher, dass die Eltern meiner ersten Frau, die aus Bogotá kam, mich gar nicht in Bogotá sehen wollten wegen der Gefahr für mich dort. Irgendwie habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu dieser Stadt. Diesmal bekommt sie eine Chance, denn ich bleibe zwei Tage. Mein Freund Alfons kommt erst später nach Santa Marta und so ergibt es sich, dass ich nach zwanzig Jahren erstmalig wieder Bogotá durchlaufe.
Unter gekommen bin ich im Hotel Casa de la Vega im Altstadtviertel “Candelaria“, dass zugleich Universitäts- und Studentenviertel ist. Das Hotel ist urig gemütlich eingerichtet, ein alter kolonialer Palacio mit überdachten Innenhof, so wie ich es Liebe. Bitte mit Fenstern haben die Kolumbianer es nicht so. Viele Zimmer haben keines, andere nur eines in den Flur. Wie bewerte ich denn das später? Auch hier im Frühstücksraum sind alle Fensterläden zu, ich lasse erst mal die Sonne herein.
Candelaria ist aber auch das Viertel, in dem die wilden Verfolgungsjagden in den kolumbianischen Drogenthrillern spielen. Kolumbien hat immerzu noch ein schlechtes Image und ich bewege mich in vielen anderen lateinamerikanischen Städten unbeschwerter. Und so brauche ich immer ein paar Tage, um nicht in jedem unrasierten Mann, der mich musstet, einen Gangster zu sehen. Passiert ist mir übrigens noch nie etwas – auch wenn ich mal war, wo man als Tourist eigentlich nicht hinfahren sollte.

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