Warum Café Kogi?

Zwei Fragen werden uns auf Messen und Im Laden immer wieder gestellt:

  • Was ist das Besondere an Eurem Kaffee?
  • Warum ist er der vielleicht nachhaltigste Kaffee der Welt?

Die Antwort darauf ist sehr umfassend, es lohnt sich, dies einmal genau anzuschauen.

Wir haben in Deutschland mittlerweile – Gott sei Dank – wieder eine Menge kleiner Kaffeeröster. Das Zeitmagazin hat letztlich eine Karte gebracht, danach sind es in Köln 16, in Hamburg 41 und in Berlin sogar 42 Röster. Meist sind es Quereinsteiger, die dies aus Liebe zu gutem Kaffee machen. Vor 50 bis 60 Jahren gab es unzählige kleine Röster, die nun wieder aufleben. Guten Kaffee gibt es also bereits in Deutschland. Warum also noch CAFÉ KOGI?

Welche Vision steht hinter CAFÉ KOGI?

Kogi 02

Wenn es das einzige Ziel gewesen wäre, einen weiteren guten Kaffee auf den Markt zu bringen, hätte ich gleich abgewunken. Ich brauche schon einen guten Grund, meine gesamte Energie in ein Projekt zu stecken. Dafür reichen nicht eine schicke Verpackung, eine stylische Rösterei und ein trendiger facebook-Auftritt. Der Kaffee der Kogi-Indianer hat mich überzeugt, weil der Ansatz ein ganz anderer ist als bei allen anderen Kaffees. Die Kogi wollen nicht Teil unserer Gesellschaft werden. Sie wollen keine Schulen und keinen Stromanschluss. Sie wollen keine Straßen, auf denen die Touristen leichter zu ihnen reisen können.

Sie wollen sich vor all dem schützen. Sie wollen ihre Kultur retten. Es ist nicht ihr Ziel, Bildung für ihr Volk möglich zu machen. Sie haben erkannt, dass das, was wir in unserer westlichen Zivilisation als Bildung anstreben, weniger wert ist als jede Bildung, die ein Kogi-Kind von seinen Eltern, Tanten und Onkels, Opas und Omas erhält.

Der wichtigste Aspekt, die heiligen Stätten

Man muss erlebt haben, wie ein Kogi-Weiser wie Máma José Gabriel erzählt, wie die Erde erschaffen wurde. Am Anfang gab es nur Aluna, das Nichts, den Gedanken. Es war dunkel. Dann entstand ein kleiner Stein, der wuchs und wuchs – aufgeblasen vom Atem Gottes. Sein Zentrum ist die Sierra Nevada de Santa Marta.  Die Erde wuchs weiter bis zur heutigen Größe. Ganz zu Anfang kamen die Großen Brüder zu denen die Kogi gehören. Sie stammen von den Steinen ab. Viel später kamen wir, die kleinen Brüder. Die Großen Brüder bekamen die Aufgabe, über die Erde zu wachen. Sie sind die Hüter der Erde. Ihre Heimat, die Sierra Nevada ist das Herz der Welt, weil hier alles entstand.

Kogi 15

Die heilenden Rituale für die Erde begehen die Kogi an besonderen Plätzen in der Natur, ganz wichtig sind Quellen, Lagunen und Flussmündungen, weil alles Leben auf Wasser beruht. Man stelle sich diese Plätze wie Telefonzellen mit direkter Verbindung zur Quelle allen Seins vor. Die Weisen der Kogi können an diesen Plätzen mit anderen Plätzen Verbindung aufnehmen. Viele dieser Plätze haben sie verloren, seit Columbus Südamerika entdeckte und die verschiedenen Eroberer kamen.

Heute, wo die Arbeit der Kogi zur Heilung der Erde immer wichtiger wird, fehlen ihnen viele dieser heiligen Plätze. Dies ist ein Grund, warum sie ihre Wächterrolle nicht mehr wie von Gott befohlen ausführen können. Kalashe, der Gott des Waldes und der Bäume hat ihnen in einer Vision gezeigt, wie sie mit Hilfe des Kaffees, der in ihren Wäldern wächst, diese Stätten retten können. Und deswegen ernten sie nun den Kaffee. Sie retten diese Plätze, sie schützen ihr Gebiet, sie können weiter in ihrer alten Kultur leben.

Die armen Indianer…

Vor 500 Jahren, als Columbus kam, lebten noch die Maya, die Azteken, die Inka. Heute haben nur die Kogi als Kultur und Volk überlebt. Irgendetwas müssen sie besser gemacht haben. Oft höre ich, dass der Kaffee ja nicht billig ist, es aber für eine gute Sache sei. Da bezahlt man gerne ein wenig mehr.

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Dafür sind wir dankbar, doch verfälscht es das Bild auch. Die Kogi wollen keine Entwicklungshilfe, sie müssen ihre Berge nicht verlassen und aufwendige Reisen unternehmen um hier auf Kongressen zu sprechen. Sie könnten noch lange ohne uns leben – und so kommt  mir auch immer wieder vor, wenn ich dort bin. Sie tun all dies, weil sie genau wissen, dass wir, die kleinen Brüder unser Unwesen mit der Erde treiben. Das wollen sie beenden. Sie tun dies für uns.

Und manchmal lassen sie durchblicken, dass sie es den meisten von uns noch gar nicht zutrauen, die Erde selbst zu retten.

Der Geschmack, nicht unwesentlich

Normalerweise entstehen Kaffeeröstereien aus der Liebe zu Kaffee. Man will selber mal rösten und dann fällt die Entscheidung, einen eigenen Laden aufzumachen. Man lernt viel über Kaffee. Und irgendwann später reist man mit einer Gruppe von Röstern in ein Kaffeeland um einmal live zu sehen, wie das alles eigentlich funktioniert mit dem Kaffeeanbau.

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Bei mir was es umgekehrt. Am Anfang stand die Begeisterung für die Menschen und das Land. Ich war begeistert von der gerade beschriebenen Vision der Kogi. Ganz nebenbei reizte mich es natürlich auch, dieses sagenumwobene Volk kennenzulernen. Ich musste mir also erst mal Leute suchen, die den Geschmack besser beurteilen können als ich, der Cappuccino-Trinker. Die haben mir bestätigt, wie gut der Kaffee der Kogi ist. Ein sehr guter Körper, eine leichte Süße und sehr feine, spitze Säure vereinen sich zu einem Kaffee mit edlem Charakter. Mittelkräftig und sehr facettenreich in den Aromen handelt es sich um einen vollmundigen Kaffee mit langem positiven Nachgeschmack. Aus den vielfältigen Aromen, auf die wir treffen, treten insbesondere Schokolade, Kakao- und ausbalancierte Fruchtaromen, etwa Orange, hervor.

CAFÉ KOGI  gehört bereits jetzt in die Gruppe der Spezialitätenkaffees, kann aber bei weiter optimierter Verarbeitung noch weiter aufsteigen im Kaffee-Olymp. Hier ist es abzuwägen zwischen dem, was technisch möglich ist und was für die Kultur der Kogi akzeptabel ist. Ihr Weg ist es, mit der Natur zu arbeiten und so das Optimum herauszuholen. Für sie wäre es nicht mehr das Optimum, wenn durch eine Trockenanlage in ihrem Gebiet die Natur geschädigt würde nur um Kaffee besser trocknen zu können.

 Welche Kaffeepflanzen werden genutzt?
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Zum Großteil handelt es sich bei der angetroffenen Kaffeeart um Arabica Tipica, die Art, die für den  weltberühmten milden kolumbianischen Kaffee steht, sowie um Arabica Caturra und einige andere Sorten.  Die Gemeinschaft der Kogi hat sich sehr bewusst dafür entschieden, die alten Pflanzen und Arten trotz aller Ratschläge von Beratern und Fachleuten, nicht auszutauschen gegen eine andere Art, die vielleicht genetisch manipuliert wäre. Die Kogi wissen, dass der Umgang mit der Natur keine Frage der Technik und optimalen Ausnutzung, sondern eine Frage des Gleichgewichts ist.

Wie wird er angebaut?

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„Angebaut“ trifft es nicht. Der Kaffee wächst dort einfach. Natürlich wird er gepflegt und geerntet.  Kaffee ist keine einheimische Pflanze in Südamerika, er wurde dort vor einigen Hundert Jahren angepflanzt. Und auch viele der Kaffeebäume der Kogi waren einmal Teil einer Kaffee-Farm. Irgendwann gaben die Farmer auf, zu hart war das Geschäft. Manche Grundstücke konnten die Kogi auch zurückkaufen. Manchmal halfen Spenden oder der Staat. Und dann sorgten die Kogi dafür, dass die Natur sich dieses Land zurückholen konnte. Der Urwald dehnte sich wieder auf die Kaffeefarmen aus. So kommt es, dass die Kaffeebäume nun Teil einer intakten Natur sind – die dennoch von der globalen Erderwärmung und den damit einhergehenden Problemen nicht verschont wird.

Aus Sicht der Mámas  wurde den Kogi die Pflanze von den spirituellen Vätern geschenkt, um ihre Botschaft zu verkünden. Diese Botschaft lautet, dass es möglich ist, das Gleichgewicht sowohl auf materieller als auch auf spiritueller Ebene in der Produktion zu erhalten. Die Einkünfte werden auf eine Art und Weise erzielt, die die Natur nicht schädigt. Kurz nachdem die Kogi ihr Projekt CAFÉ KOG initiiert hatten, wurde ihnen bereits geraten, doch neue, ergiebigere Sorten anzubauen. Doch sie stehen zu ihren alten Kaffeebäumen, denn diese sind die Väter der Bäume. Und von wem sollten die jungen Bäume lernen, wenn nicht von ihren Vätern? Alte Bäume werden geehrt und nicht gefällt. Ein Kogi würde auch nicht den Samen eines schönen Kaffeebaums nehmen und an anderer Stelle säen. Samen fallen vom Baum und wollen dort wachsen, wo sie hinfallen. Sie wollen bei ihrer Familie bleiben

Ist Fairness ein Thema? Wie profitieren die Bauern?

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Manchmal bin ich geneigt zu sagen, dass es Fairness bei Kaffee, Kakao und ähnlichen Produkten nicht gibt. Wer selbst mal bei der Ernte dabei war, der weiß, was dies für ein Knochenjob ist. Jede Bohne wird mehrmals angefasst und sortiert bis wir sie dann in die Mühle geben. Und dafür gibt es einen Lohn, der ziemlich niedrig ist und gerad so zum Überleben ausreicht.

Die Kogi sind ein Volk, was jedoch außerhalb unserer Geldwirtschaft lebt. Der normale Kogi hat kein Geld, er lebt von dem, was er auf seinem Land erwirtschaftet. Jede Familie ist in der Lage, alles, was sie brauchen, komplett selbst zu erzeugen. Das Material zum Bau der Häuser wächst im Wald, die kunstvollen Hängebrücken baut die Gemeinschaft aus Holz und Lianen ohne einen einzigen Nagel. Ihre weißen Stoffe weben sie aus selbst hergestellten Garnen selbst.

Kein Kogi muss vom Kaffee leben, es ist eher sein Beitrag zu einer höheren Aufgabe des gesamten Volkes. Die Aufgabe, die Erde zu schützen. Da aber auch die Kogi durchaus Interesse an manchen nur für Geld erhältlichen Dingen haben, erhält jeder Indianer von der Kooperative einen Kaufpreis für seine 2-3 Sack Kaffee, der über dem Marktpreis liegt. So kommt es, dass man hin und wieder auch Gummistiefel und Schaufeln in den Bergen sieht. Und hin und wieder sieht man ziemlich verunsicherte Kogi nach einer langen Reise aus den Bergen hinunter in der Stadt mit einer Limonade. Die moderne Welt weckt auch Begehrlichkeiten.

Für die Ernte 2015/2016 bezahlen wir übrigens fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises und deutlich über den Konditionen des Fairen Handels. Zusätzlich sind die Kogi mit 20 % am Gewinn der deutschen GmbH beteiligt.

Bio? Fairtrade?

Kurz und knapp: die Kogi halten nichts von unserer Art des Umgangs mit der Natur und wollen sich gar nicht von den kleinen Brüdern zertifizieren lassen. Ihrer Ansicht nach haben wir die Natur nicht verstanden, in der sie seit langer Zeit leben. Sie würden alle Kriterien mit Leichtigkeit erfüllen, das brauchen sie nicht schriftlich.

Und erst da kommen wir ins Spiel

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All dies beruht auf den Ideen der Kogi, erst wenn der Kaffee in den Säcken auf das Schiff geht, kommen wir ins Spiel. Wenn der Schamane im Hafen seinen Segen auf den Container gegeben hat, holen wir ihn nach einer Seereise von etwa 14 Tagen zu uns in die Rösterei.

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Über 1000 Aromen bestimmen den Geschmack von Kaffee. Sehr komplexe Vorgänge laufen während des Röstens ab, die darüber entscheiden, ob ein Kaffee lecker und bekömmlich ist – oder nicht. Wir rösten langsam und schonend, wie es der Qualität des Rohkaffees angemessen ist. Im Trommelröster wird ein sehr altes Verfahren angewendet. Über 15 bis 25 Minuten wird bei Temperaturen von um die 200 °C der Kaffee (30 kg jeweils)  langsam erhitzt. Aus blassen, grau-grünen Körnern werden aromatische dunkelbraune Kaffeebohnen.

Vielleicht ist nun klar geworden, was uns von anderen Kaffeeröstern unterscheidet, die ihren Kaffee in Hamburg von den großen Importeuren kaufen. Da gibt´s guten Rohkaffee, vieles ist Bio und auch fair gehandelt. Aber diesen Kaffee gibt es in mehreren Hundert Röstereien in Deutschland, achten Sie mal auf die Sorten. CAFÉ KOGI gibt es nur bei uns. Weil die Kogi dies entschieden haben. Wie dies ablief mit den Orakeln und Sehern ist eine andere Geschichte…

Oliver Driver
Inhaber URWALDKAFFEE GmbH

4 Kommentare:

  1. Wenn der Café der Kogi nachhaltig und schonend angebaut wird, dann ist dies nicht mit einer „Massenproduktion“ zu vergleichen, auch nicht mit einer „Bio-Serienproduktion“. Insofern habe ich etwas Zweifel, dass bei der nun kommenden Vermarktung der Nachfrage überhaupt ein ausreichend großes Angebot gegenüber steht. Wie kann ich also sicher sein, dass ich tatsächlich Kogi-Café erhalte, und dass wirklich nur der Café verkauft wird, den die Kogi problemlos herstellen können? Ist gewährleistet, dass nicht irgendwo in der Produktionskette der Weiterverarbeitung „Fremdkaffee“ zugemischt wird?

    • Danke für Dein Interesse! Natürlich kann ich garantieren, dass es sich immer zu 100 % um Café Kogi handelt. Zum einen stehe ich persönlich dafür, zum anderen würde dies von den Kogi nie toleriert werden. Die Produktionskette ist im Gegensatz zu den üblichen Ketten in der Industrie und auch bei kleinen Röstern extrem kurz. Ich importiere selbst und röste bei einem kleinen Röster in Deutschland, so dass sich niemand Sorgen machen muss. Es sind mittlerweile über 1200 Familien, die den Kaffee auf ihren kleinen Farmen anbauen. Wenn jede Familie nur 2 -3 Säcke erntet (à 69 kg), so sind dies schon größere Mengen. Die Kogi rechnen mit gut 200 to für den weltweiten Markt. Davon haben wir im ersten Jahr 17 to bestellt und werden das dann weiter steigern auf vielleicht 50 to. Das ist nicht wenig und sollten wir das Problem haben, dass wir ausverkauft sind, so wäre das natürlich – by the way – ein Riesenerfolg… Dann gäbe es eben bis zum nächsten Liefertermin des Rohkaffees im November keinen Kaffee. Abonnenten werden davon natürlich nicht betroffen sein.

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