Café Kogi

Zwei Mámus in der Abenddämmerung

Zwei Mámus in der Abenddämmerung

Von der Kaffeekirsche bis zu Ihnen

Im Januar 2014 war ich vor Ort und habe mir einen Eindruck von der Arbeit der Kogi machen dürfen. Wer die Bilder von glücklichen Erntearbeitern in idyllischer Landschaft aus der TV-Werbung kennt, sollte meinen, dass die Welt des Kaffees ein traumhaftes Leben bietet. Das ist nicht so! Abgesehen davon, dass nahezu nichts von dem stimmt, was in der Werbung versprochen wird, ist Kaffee ein hartes Geschäft, welches finanziell unattraktiv und körperlich hoch belastend ist (Hier ein Fernsehbericht über die tatsächlichen Verhältnisse: „Bittere Ernte“).

Der Kaffee wird von den Kogi an den nördlichen Hängen der Sierra Nevada in Höhen von 800 bis 1700 Metern angebaut. Bis ich die ersten Kaffeebäume zu sehen bekam, war ich neun Stunden durch Gebüsch und Geröll bergauf und bergab gelaufen. Der Kaffee wird in seiner natürlichen Umgebung bewirtschaftet, er wächst inmitten des Waldes zwischen verschiedensten anderen Pflanzen. Eine nur mit Kaffee bepflanzte Fläche kommt für die Kogi nicht in Frage, da sie bei allem, was sie tun, auf das Gleichgewicht in der Natur achten. Auch ihre anderen Nahrungspflanzen wachsen nie in Gärten oder Beeten sondern auf durchmischten naatürlichen Flächen.

Eine Familie hat rund fünf verschiedene Fincas (kleines Lehmhaus mit Strohdach von ca. 5 Meter Durchmesser, das aus einem Raum besteht. Zu jeder Finca gehört soviel Land, dass die Familie davon leben kann. Zur Bewirtschaftung ziehen die Kogi von Finca zu Finca und bleiben dort jeweils so lange, bis die Arbeit getan ist. Das ergibt dann ziemlich drollige Bilder, wenn der Vater den Ochsen treibend vorneweg geht, gefolgt von der häkelnden Frau, eine Horde schwarzer, kleiner Ferkel und einem Esel, auf dem die Hühner transportiert werden.Die Kinder laufen wie die Orgelpfeifen hinterher, jedes trägt eine Tasche auf dem Kopf. Der oder die Kleinste kommt zum Schluss und hat meist Mühe, Anschluss zu halten. Die ganz Kleinen werden von Mutter oder Geschwistern getragen.

Für eine gute Pflege des Kaffees muss jede Pflanze fünf Mal jährlich bearbeitet werden. Bei fünf Fincas und einem Haus im Dorf sind das also 30 Umzüge jährlich. Der Kaffee wird dann von Oktober bis November inmitten der Regenzeit geerntet. Kirsche für Kirsche wird per Hand gepflückt und gesammelt. In dieser Zeit werden die an sich schon schwierigen Wege zu kleinen Bergbächen und Lehmrutschen. Von den Kaffeebäumen zum Dorf sind es bereits mehrere Stunden, die die Kogi die Kaffeefrüchte durch unwegsames Gelände mit Eseln oder selber tragend transportieren müssen.

Was für uns absolute Knochenarbeit ist und was mich persönlich an den Rand meiner körperlichen Leistungsgrenze brachte, ist für die Kogi Alltag. Sie sind unglaublich zäh, ausdauern und kräftig. Sie lieben es, in der Sierra Nevada zu laufen, sie kennen es nicht anders, als dass alles durch Muskelkraft transportiert werden muss. Wer dies alles einmal vor Ort gesehen hat, kann die Preise im Supermarktregal nicht mehr nachvollziehen.

In der Finca angekommen, wird der Kaffee mit der Pulpadora von der Fruchtschale befreit. Zum Sammelpunkt der Rohkaffeebohnen sind es nun weitere sechs Stunden bis die Kogi einen Weg erreichen, der von Fahrzeugen befahren werden kann, die ihn in die neue Bodega der Indianer-Kooperative bringen. Hier erfolgt die weitere Verarbeitung und ab diesem Jahr wird hier auch für den heimischen Markt Kaffee selbst geröstet. So soll die Wertschöpfung mehr und mehr durch die Kogi selbst erfolgen.

In Mingueo angekommen, wird der Kaffee in der Sonne auf großen Betonflächen getrocknet und anschließend von seiner Pergamenthaut befreit. Per Hand werden die Bohnen auf Fehler überprüft und gegebenenfalls aussortiert. In großen Sieben werden die verschiedenen Bohnengrößen gesiebt und nach Qualitätsklassen sortiert. Wenn der Kaffee seine zulässige Restfeuchte erreicht hat, wird er in 70-kg-Säcken verpackt und über den Hafen Cartagena nach Hamburg verschifft.

Fortsetzung folgt.

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