Andere Länder, andere Sitten – Kolumbien Teil 3

Süße schwere Düfte, Gewusel, Spanisch in der Luft. Alle hier sind kleiner als ich, machen sich aber resolut breit. Der Mentalitätsunterschied zwischen Deutschen und Kolumbianern ist riesig. Ich weiß, wovon ich spreche, meine erste Frau war Kolumbianerin. Ein Kolumbianer stellt sich beim Check-In nicht hinten an, sondern da, wo der unvorsichtige Deutsche eine Lücke gelassen hat. Das macht man nicht, habe ich wohl mal verinnerlicht. Sätze mit man sollte man mal überprüfen… Und dann wiederum lässt er eine Familie mit Kindern gerne vor. Unbekümmertheit wäre vielleicht der richtige Ausdruck dafür.
Neben mir sitzt eine ganze Familie mit drei erwachsenen Kindern. In einem Flieger nach Spanien oder Griechenland ist es leicht, die anderen Passagiere einzuschätzen. Total schwierig ist es jetzt. Der kleine Untersetzte rechts vor mir könnte alles sein. Drogenkurier, Fischer oder Handwerker? Keine Ahnung. Die schlecht blond Gefärbte weiter rechts trägt in der Kälte schulterfrei und steckt die sicher nicht billig gewesenen Brüste weit nach vorn. Das vernarbte Aknegesicht und die aufgeklebten unglaublich langen Fingernägel runden das Bild ab.
Ihr merkt, ich muss mich erst mal wieder eingewöhnen in das vermeintlich Fremde. Noch geht es nur schlecht, das Schöne in den Menschen zu sehen.  Das Fremde verunsichert – bis man es kennen lernt. Nicht anders ist es ja mit den Flüchtlingen. Die Bilder im Fernsehen machen manchen Menschen Angst. Bis sie persönlichen Kontakt zu einem Flüchtling oder einer Familie bekommen. Dann weicht das Fremde der Erkenntnis, dass wir alle doch irgendwie gleich sind.
Bei meinem ersten Besuch bei den Kogi dauerte es eine ganze Weile bis wir warm wurden. Ehrlich gesagt dauerte es bis zu meinem zweiten Besuch. Beim ersten mal war alles so fremd, alle musterten mich so intensiv ohne eine Mine zu verziehen, sprachlich waren wir getrennt, dass es nicht einfach war. Kinder und Frauen zogen sich sowieso in die Hütten zurück, wenn sie mich sahen. Gemeinsam essen, mir den Kindern herum albern ging nicht. Die Welt ist so anders, man bekommt zunächst keinen “Pack-an“.
Je mehr ein Kogi mit unserer Welt in Kontakt gekommen ist, desto einfacher ist es. Mama José Gabriel ist viel herum gekommen. Er hat Humor und spricht spanisch. Das nicht es leichter. Und spätestens als er das zweite mal bei mir zuhause in Köln war, waren wir Freunde.
Mama-Jose-Gabriel-IIBeim Ausstieg aus dem Flieger auf dem Flughafen El Dorado in Bogotá fielen mir dann doch die sehr großen Füße der Blondine auf. Für eine Frau zu groß…

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